Häufige Schilddrüsenerkrankungen
Die Schilddrüse nimmt eine zentrale Stellung im Stoffwechsel ein und beeinflusst daher sehr viele Körperfunktionen. Entsprechend mannigfaltig können die Symptome bei Störungen sein. Bei den Erkrankungen der Schilddrüse muss man zwischen Veränderungen der Funktion und der Form bzw. Größe der Schilddrüse unterscheiden. Es kann sein, dass die Größe der Schilddrüse nicht stimmt, aber die Funktion normal ist oder umgekehrt oder auch beides verändert ist.
Der Kropf (Struma)
Dies ist die häufigste Schilddrüsenerkrankung. Es handelt sich um eine Vergrößerung des Organs durch Jodmangel oder genetische Einflüsse. Da sich die Schilddrüse bei Jodmangel vermehrt anstrengen muss, um genügend Hormone zu produzieren, kommt es wie bei einem trainierten Muskel zur Vergrößerung. Dabei ist die Funktion in der Regel normal. Zunächst nimmt nur das Volumen zu (Struma diffusa). Später können sich dann Knoten bilden (Struma nodosa).
Man unterscheidet zwischen heißen und kalten Knoten. Heiße Knoten speichern im Szintigramm vermehrt Aktivität, während kalte Knoten als Aussparung zur Darstellung kommen. Bei kalten Knoten kann es sich um verschlissenes Gewebe, eine Flüssigkeitsansammlung (Zyste) oder aber einen Gewebsknoten (Adenom) handeln. In seltenen Fällen können kalte Knoten auch bösartig sein, weswegen man unter Umständen diesen Knoten durch eine Gewebsentnahme (Punktion) näher untersuchen muß. Im Gegensatz dazu sind heiße Knoten praktisch immer gutartig. Sie können aber so viel Hormone produzieren, dass es zu einer Überfunktion (Hyperthyreose) kommen kann.
Dann muss man den oder die Knoten durch eine Operation entfernen oder mittels Bestrahlung (Radiojodtherapie) inaktiv machen.
Wird die Struma diffusa frühzeitig entdeckt, kann man sie meist durch eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen und/oder Jodid teilweise zurückbilden.
Die Überfunktion (Hyperthyreose)
Die Hyperthyreose entsteht meist durch die bereits erwähnten heißen Knoten (autonome Adenome), durch verstreute heiße Gewebsbezirke (diffuse Autonomie) oder durch eine Erkrankung, bei der der Organismus Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe bildet (Autoimmunthyreoidits) und so zu einer Entzündung des Organs mit vermehrter Ausschüttung von Hormonen führt. Wenn gleichzeitig noch die Augen hervortreten, spricht man vom Morbus Basedow.
Die Erkrankung verläuft typischerweise in Schüben. Meist muss man nach ihrer Entdeckung Tabletten einnehmen, um die Hormonproduktion zu bremsen. Nach einer Weile sich kann die Funktion normalisieren. Später kommt es oft zu einem erneuten Schub. Wenn die medikamentöse Behandlung nicht hilft oder nicht vertragen wird, kann man die Schilddrüse durch eine Operation so stark verkleinern, dass der Rest nicht mehr in der Lage ist, den Körper mit Hormonen zu überschwemmen.
Eine andere Möglichkeit ist die Radiojodtherapie. Dabei wird eine Kapsel mit radioaktivem Jod verabreicht, das sich in der Schilddrüse anreichert und nach einigen Monaten zu einer Schrumpfung eines heißen Knotens oder der gesamten Schilddrüse führt. Die Behandlung erfolgt in einer speziell ausgerüsteten nuklearmedizinischen Klinik. Sie spüren von der Strahlung nichts, müssen aber so lange in der Klinik bleiben, bis die Reststrahlung auf einen gesetzlich vorgeschriebenen Wert abgeklungen ist. In der Regel können Sie nach wenigen Tagen wieder nach Hause entlassen werden.
Die Unterfunktion (Hypothyreose)
Sie kommt entweder angeboren oder als Endzustand nach einer Entzündung oder Strahlentherapie vor. Sie läßt sich gut behandeln, indem man die fehlenden Hormone durch die tägliche Einnahme einer Tablette ausgleicht.