Die Nuklearmedizin

In der Nuklearmedizin werden radioaktive Substanzen (meistens Technetium) entweder als Pertechnetat zur Schilddrüsenszintigraphie oder gebunden an Trägerstoffe (Kits) zur Diagnostik verabreicht. Technetium zeichnet sich durch besonders günstige Eigenschaften aus. Insbesondere die Halbwertszeit von 6 Stunden trägt zu einer geringen Strahlenbelastung bei. Die geringe von den Patienten ausgehende Abstrahlung ist für die Angehörigen nicht problematisch. Mütter mit Kleinkindern sollten dafür sorgen, dass die Kinder anderweitig versorgt werden und sich von ihnen für einen Tag möglichst fern halten. Stillen ist kontraindiziert.

Häufige Untersuchungen

Schilddrüsenszintigraphie:
Sie dient zur Beurteilung der Funktionslage. Die Strahlenbelastung liegt bei Gabe von ca. 40 MBq mit etwa 0,42 mSv sehr niedrig (weniger als Thoraxaufnahmen in zwei Ebenen). Dennoch sollte immer zuerst eine Abklärung mittels Sonographie erfolgen. Bei unauffälligem Ergebnis und Euthyreose ist eine Szintigraphie nicht erforderlich. Auch Knoten unter 1 cm Durchmesser stellen sich in aller Regel nicht dar, insbesondere wenn sie von funktionstüchtigem Gewebe umgeben sind. Die Hauptindikationen sind somit der Verdacht auf ein autonomes Adenom, die Hyperthyreose ohne eindeutige Zeichen einer autoimmunen Thyreoidits im Ultraschall und der Verdacht auf größere kalte Knoten. Auch vor einer Strumaresektion wird in der Regel ein Szintigramm verlangt.
Bei Verdacht auf Autonomien kann man gleich ein Suppressionsszintigramm anfertigen.

Wir empfehlen folgende Vorbereitung zum Suppressionsszintigramm:



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Knochenszintigraphie:
Ideale Methode zum Ausschluß oder Nachweis eines pathologischen Knochenumbaus. Erfolgt durch Einlagerung von an Phosphate gebundenes Technetium im Knochen. Zur Protektion der SD erhält der Patient 30 min. vor der Untersuchung 20 Tr. Irenat.
Er kann sich das Irenat schon vorher bei uns abholen und zu Hause einnehmen. Nach der Injektion des Kits müssen mindestens zwei Stunden vergehen, damit sich ein guter Kontrast von Weichteilen und Knochen einstellt. Der Patient muß sich also auf mindestens drei Stunden Untersuchungszeit einstellen. Falls nicht aus anderen Gründen erforderlich, muss der Patient nicht nüchtern sein. In der Wartezeit zwischen Injektion und Aufnahme kann er/sie die Praxis verlassen. Wir empfehlen, viel zu trinken und häufig Wasser zu lassen, um die Strahlenbelastung der Harnblase zu minimieren und den Kontrast zu erhöhen.
Die eigentliche Untersuchung läuft meist als Ganzkörperszintigraphie mit ventraler und dorsaler Ableitung ab. Manchmal wird eine Frühaufnahme zur Beurteilung der Weichteile angefertigt.
Im Rahmen einer Drei-Phasen-Szintigraphie kann eine bestimmte Körperregion mit einer Perfusionsstudie untersucht werden, z.B. die Hände bei V. a. Polyarthritis oder eine Extremität bei Knochentumoren oder Osteomyelitis. Wenig hilfreich ist eine solche Technik, wenn das Untersuchungsgebiet nicht eingrenzbar ist oder von großen Gefäßen überlagert wird.
Ein häufige Fragestellung ist die Szintigraphie wegen V. a. Prothesenlockerung. Lokalisierte Erkrankungen an komplexen anatomischen Regionen, z.B. Becken oder WS können auch überlagerungsfrei mit SPECT untersucht werden. Hierbei rotiert die Gammakamera um den Patienten und aus den gewonnenen Daten werden Schichtbilder rekonstruiert.
Selten liefert die Knochenszintigraphie falsch negative Ergebnisse. Dies trifft besonders beim Plasmocytom zu. Kleinere diffuse Knochenmetastasen können ebenso dem Nachweis entgehen wie größere Metastasen, bei denen ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen osteoklastischer und osteoblastischer Aktivität besteht. Im Zweifelsfalle kann hier die MRT als Problemlöser dienen.

Nierenfunktionsszintigraphie:
Die Untersuchung erfolgt bei uns ausschließlich mittwochs als MAG III-Clearance. Die Testsubstanz wird als Bolus injiziert und die Elimination über 30 min. gemessen. Zusätzlich wird Blut abgenommen und die Aktivität im Plasma bestimmt. Wichtig für uns ist die Kenntnis des Kreatininwertes, da die Messung bei stark erhöhtem Kreatinin unzuverlässig wird.
Bei der Frage nach der renalen Hypertonie wird vor der Untersuchung ein ACE-Hemmer verabreicht. Bei unauffälligem Befund ist die Untersuchung abgeschlossen. Bei pathologischem Ausfall muss eine weitere Untersuchung ohne ACE-Hemmer erfolgen und das Ergebnis verglichen werden.
Weitere Spezialtechniken sind die Untersuchung mit Lasixgabe zur Abklärung einer Ureterabgangsstenose sowie die Untersuchung im Sitzen und Liegen bei ren mobilis.

Nebennierenszintigraphie:
Indikationen sind das Phäochromocytom und das Neuroblastom. Die Untersuchung erfolgt mit MIBG (Meta-Jodobenzyl-Guanidin). Dieses muss vorher bestellt werden. Eine rechtzeitige Anmeldung ist daher erforderlich. Zur Vorbereitung erhält der Patient 3 Tage vor bis 3 Tage nach der Untersuchung je 40 Tr. Irenat.
Es werden mehrere Aufnahmen angefertigt, bisweilen sogar am Folgetag.

Lungenszintigraphie:
Es ist zu unterscheiden zwischen Perfusions- und Ventilationsszintigraphie. Bei der Perfusionsstudie werden radioaktiv markierte Mikropartikel injiziert. Neben der Emboliediagnostik wird die Untersuchung auch in der Vorbereitung resezierender Operationen eingesetzt. Probleme ergeben sich, wenn Lungenparenchymveränderungen (Narben, Bullae) vorliegen. Diese können zu Perfusionsausfällen führen, die Embolien ähnlich sehen.

Wir empfehlen folgendes Vorgehen:
Zunächst müssen unbedingt konventionelle Aufnahmen vorliegen. Wenn diese normal sind, kann man gleich ein Perfusionsszintigramm machen. Falls sich aber Narben zeigen oder eine COPD anzunehmen ist, sollte man zunächst eine Ventilationsszintigraphie durchführen. Die hierbei in der Lunge fixierte Aktivität eines inhalierten Aerosols ist nämlich so gering, dass man nach einer Perfusionsszintigraphie 3 Tage warten muss, bis eine Ventilationsuntersuchung erfolgen kann.

Wichtig:
Die Lungenszintigraphie wird zunehmend durch die Spiral-CT ersetzt. Man kann hiermit die Emboli direkt darstellen und so zweifelhafte Befunde weitgehend vermeiden. Ein besonderer Vorteil liegt auch darin, dass gleichzeitig das Lungenparenchym und die Pleura beurteilt werden können. So finden sich nicht selten überraschende Befunde, die die Beschwerden des Patienten erklären. Daher kann man die Lungenszintigraphie fast als obsolete Untersuchung ansehen.

Entzündungsszintigraphie:
Es gibt zahlreiche Verfahren, z. B. mit markierten Leucocyten. Wir bieten die Variante mit Tc-99m Nanocoll (Nanokolloid aus Serumalbumin) oder Tc-99m LeukoScan (markierte monoklonale Fab'-Fragmente) an. Die Untersuchung eignet sich als Ergänzung zur Knochenszintigraphie zur Abklärung von Osteomyelitisherden und Speicherdefekten im Knochenmark.

Leberszintigraphie:
Es gibt die Verfahren der erythrocytenmarkierten Leberszintigraphie (Blutpoolszintigraphie) sowie der Funktionsszintigraphie. Das erste Verfahren dient dem Nachweis von Hämangiomen. Es ist als einzige Methode im Gegensatz zu CT und MRT absolut spezifisch. Die Funktionsszintigraphie erlaubt die Darstellung der Gallenwege auch bei erhöhtem Bilirubin und dürfte durch die Einführung der MRCP weitgehend obsolet werden.

Hirnszintigraphie:
Die Hirnszintigraphie als SPECT-Untersuchung mit HMPAO hat einen gewissen Platz bei der Abklärung von Epilepsien, der Alzheimer-Demenz und bei der Diagnostik okkulter Perfusionsstörungen. Die meisten Fragestellungen kann man aber bereits mit der MRT klären.

Blutungsquellennachweis:
Erfolgt als Sequenzszintigraphie ähnlich der Leberszintigraphie mit markierten Erythrocyten. Wichtig: Bei der Frage nach einem Meckelschen-Divertikel darf kein Irenat vorab gegeben werden.

Myocardszintigraphie:
Wird bei uns zur Zeit noch nicht durchgeführt.